Am Dienstag, den 15.5.2018, durften die Schüler/innen der Jahrgangsstufe 9 des Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums und der Imma-Mack-Realschule Eching einen der wenigen noch lebenden Zeitzeugen des Holocausts in der Aula begrüßen. Bereits zum fünften Mal war Herr Naor, der am 21.3.2018 seinen 90. Geburtstag gefeiert hatte, zu Gast am OMG. Nach einleitenden Worten der Geschichtslehrerin Gisela Schauz begann Herr Naor die Ereignisse der Jahre 1941 bis 1945 darzulegen, wie er sie miterlebt hatte. Ernst, aber hin und wieder mit humorvollen Einschüben, erzählte er vom alltäglichen Leben als 13-jähriger Junge in Kaunas (Litauen) und von seiner Unterbringung in einem Ghetto. Er berichtete auch von dem Verlust von Familienmitgliedern und dem Leben in den Konzentrationslagern Stutthof sowie den Außenlagern von Dachau bis zum Todesmarsch der Häftlinge bei Kriegsende und der Befreiung durch die Amerikaner Anfang Mai 1945. Dabei hob er immer wieder die Frage hervor, wie es dazu kommen konnte, dass Menschen ihre eigenen Nachbarn vertreiben, verletzen und verraten. „Wir waren doch Litauer!“, rief Herr Naor mehrmals verständnislos aus.
Nach der Erzählung seiner Geschichte beantwortete Herr Naor geduldig Fragen einer interessierten und bewegten Schülerschaft.
Es war eine denkwürdige Veranstaltung, die uns Zuhörern viele neue und lehrreiche Erkenntnisse brachte, vor allem, da die Erzählungen im Gegensatz zu Geschichtsbüchern und dem Unterricht doch beeindruckender und einprägsamer sind. Gleichzeitig wurde nun vielen auch die Bedeutung bewusst, vergangene, historische Geschehnisse nicht zu vergessen, sondern von Generation zu Generation weiterzugeben, worauf auch der Schülersprecher des OMG in seiner Dankesrede am Ende aufmerksam machte.

Schülerin der 9. Klasse

„Die Erinnerung ist wie das Wasser: Sie ist lebensnotwendig und sie sucht sich ihre eigenen Wege in neue Räume und zu anderen Menschen. Sie ist immer konkret: Sie hat Gesichter vor Augen, und Orte, Gerüche und Geräusche. Sie hat kein Verfallsdatum und sie ist nicht per Beschluss für bearbeitet oder für beendet zu erklären.“ (Noach Flug, Überlebender des KZ-Auschwitz)

Die Bedeutung der Erinnerung und dass sie nie verloren geht, stand auch heute im Zentrum des Zeitzeugengesprächs mit Herrn Naor. Dabei wurde deutlich, dass wir uns bewusst sein müssen, mit der Geschichte zu leben. Egal wie lange Ereignisse her sind, so haben wir doch die Verantwortung, diese nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Und so muss jede Generation die Aufgabe bewältigen, Ereignisse an Jüngere weiterzugeben. Dafür sind Tage wie dieser bestens geeignet und führen eine Gesellschaft zusammen in der Reflexion über Geschichte.
Ob wir wollen oder nicht: Ereignisse hinterlassen ihre Spuren – auch bei den nachfolgenden Generationen. Und daher liegt es an uns, ob wir es schaffen, Mitmenschlichkeit zu bewahren, die Rechte eines jeden Menschen zu schützen und in einer Gemeinschaft zu leben, in der Solidarität und Akzeptanz gelebt werden.
Dank an Herrn Naor, der auf bewegende Weise von schrecklichen Erlebnissen der grausamen Zeit des Nationalsozialismus erzählt hat. Dadurch wurde noch mehr klar, wie unmenschlich und scheußlich das NS-Regime war, und dass so etwas nie wieder passieren darf. Daher möchte ich euch und mir selbst noch einmal auf den Weg geben, dass wir nicht vergessen dürfen.

Schüler der 9. Klasse

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