Ernest Lang, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Neufahrn e.V. , besuchte am 15.05.2019 die Q11 des Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums und hielt einen Vortrag über die Geschichte Neufahrns zur Zeit des Nationalsozialismus und der frühen BRD.

Dabei zeigte Herr Lang den SchülerInnen ausführlich auf, welche Persönlichkeiten in Neufahrn zu dieser Zeit in Erscheinung traten und welche Bedeutung sie für die politische und gesellschaftliche Entwicklung Neufahrns hatten.

Durch den Vortrag wurden vor allem die Menschen ins Bewusstsein gerückt, die in Neufahrn die Auswirkungen der Machenschaften des NS-Regimes zu spüren bekamen und in ihrer Existenz eingeschränkt wurden. So wurde beispielsweise der Landwirt Matthias Kratzl, der von 1919 bis April 1933 Erster Bürgermeister in Neufahrn war, von den örtlichen NS-Funktionären abgesetzt und verstarb noch im selben Jahr. Seit 1926 war Johann Jungmann Pfarrer in Neufahrn und geriet seit 1933 in Auseinandersetzungen mit den NS-Machthabern, was 1937 dazu führte, dass seine Ernennung zum Stadtpfarrer von Sankt Georg in Freising verhindert wurde. Als „Feind des Dritten Reiches" wurde er von der Gestapo verhaftet und ohne Gerichtsverhandlung von August 1939 bis April 1940 acht Monate eingesperrt. Er erhielt im Anschluss Unterrichtsverbot und sein Konto wurde gesperrt.

Durch die Ausführungen des Vorsitzenden des Geschichts- und Heimatvereins wurde jedoch nicht nur auf das Schicksal der Menschen damals hingewiesen, sondern auch deutlich gemacht, dass es auch in Neufahrn Menschen gab, die sich dem Regime nicht beugten und ihrer eigenen Überzeugung treu blieben, wie auch der damalige Neufahrner Arzt Dr. Benno Schmidbauer, der im März 1944 sechs Tage in der Gestapo-Zentrale „Wittelsbacher Palais“ in München in Haft war. Es gab außerdem wiederholte Versuche, ihm die Kassenzulassung zu entziehen, weil er anstelle der Hakenkreuzfahne die weiß-blaue Bayernfahne hisste und kein Hitler-Bild in seiner Praxis zu finden war.

Von besonderem Interesse waren für die SchülerInnen die detaillierten Angaben Herrn Langs über das Außenlager des Konzentrationslagers Dachau, das in Neufahrn im Frühjahr 1945 eingerichtet wurde: Am 10. April 1945 wurden nachts 500 namentlich bekannte Häftlinge aus dem KZ Dachau in neue, primitive Holzbaracken in einer Kiesgrube am südlichen Ortsende von Neufahrn verlegt. Die Gefangenen sollten in der nahen Garchinger Heide mit einfachem Werkzeug einen Flugplatz für Jagdflieger bauen. Die KZ-Gefangenen in Neufahrn stammten aus der Sowjetunion, Polen, Frankreich, Italien, Jugoslawien und Deutschland. Unter ihnen waren Politiker, Ärzte, Offiziere, Volkswirte, aber auch Handwerker. Wer bei der schweren Rodungsarbeit nicht mithalten konnte, wurde verprügelt. Vor allem litten die Häftlinge entsetzlichen Hunger. Der KZ-Gefangene Artur Taube aus Litauen verstarb deswegen wenige Tage vor dem 29.04.1945. An diesem Tag besetzten amerikanische Truppen Neufahrn und befreiten die Häftlinge. Die meisten Gefangenen wollten schnell zurück in ihre Heimat, ein einziger KZ-Häftling blieb nach der Befreiung in Neufahrn: Josef von der Bank gründete hier eine Familie, er starb 1977.

Zur Erinnerung und Mahnung an die KZ-Häftlinge im Außenlager Neufahrn wurde 2017 am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers in der Dietersheimer Straße eine Gedenk-Stele errichtet.

Durch den Vortrag von Herrn Lang konnten einerseits die Namen der Menschen, die jeweils auf ihre Weise unter dem Unrechtsstaat leiden mussten, der heutigen Generation näher gebracht werden, damit diese nicht in Vergessenheit geraten. Gleichzeitig konnten die Abbildungen der Persönlichkeiten und historischen Orte Neufahrns dazu beitragen, dass sich jeder „ein Bild davon machen“ konnte, was in dieser Zeit „vor der eigenen Haustüre“ geschehen ist.

Julia Badelt und Gisela Schauz

Fotos von H. Katzenbogner

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