Ein Schüler des OMGs wurde von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft für seine Seminararbeit „Die Spektroskopie des großen Orionnebels“ ausgezeichnet.

Im Rahmen des W-Seminars wurde am OMG für das Leitfach Physik zum zweiten Mal ein Seminar in Astrophysik angeboten. Die Methoden der astrophysikalischen Forschung, wie sie Anfang des 20. Jahrhunderts praktiziert wurden, können im Rahmen der naturwissenschaftlichen Ausbildung nachvollzogen werden. Die Astrophysik eignet sich hierzu in geradezu idealer Weise, werden doch viele Bereiche des Physik-Unterrichts einbezogen (Optik, Atomaufbau, Energieerzeugung, Elektronik) und auch die Informatik, als wesentlicher Bestandteil der modernen Forschung, wird integriert. 12 Kollegiaten begannen im Herbst 2011, sich in die Welt der Astrophysik einzuarbeiten.

Nachdem die astronomisch nutzbaren Nächte gerade im Münchener Norden, bedingt durch die mitteleuropäische Wetterlage, leider nur allzu oft recht rar sind, wurde auf Initiative von Dr. W. Ober im Jahr 2009 Kontakt zu der „Stiftung Interaktive Astronomie und Astrophysik“ hergestellt , die von Herrn Dr. Husar aus Hamburg und Herrn Prof. Ruder (Univ. Tübingen) gegründet wurde. Dem OMG ist es dadurch möglich, per Internet die Teleskope am Observatoire de Haute-Provence (OHP) in Südfrankreich zur Beobachtung zu nutzen. Die Beobachtungsanträge werden dazu vorab eingereicht und wissenschaftlich begutachtet. So wurden dem OMG mittlerweile mehrere Nächte am 60 cm SC-Teleskop, dem größten der insgesamt drei zur Verfügung stehenden Teleskope, genehmigt. Bei besten Bedingungen sind dabei exzellente Aufnahmen von mehreren offenen Sternhaufen gemacht worden. An dieser Stelle gebührt Herrn Dr. Husar Dank für seine Hilfe bei der Einweisung in die anfangs doch komplexe Steuerung eines professionellen Teleskops.

Die Deutsche Physikalischen Gesellschaft (DPG) verleiht in Zusammenarbeit mit den Fakultäten oder Fachgruppen Physik der Bayerischen Landes-universitäten 10 Auszeichnungen für die besten Seminararbeiten in W-Seminaren mit Schwerpunkt Physik an Abiturientinnen und Abiturienten des Abiturjahrgangs der Gymnasien in Bayern.

Die Auswahl der besten Arbeiten erfolgt durch eine Jury, besetzt aus jeweils einem Mitglied der Fakultäten für Physik der bayerischen Universitäten.

Schon bei der ersten Meldung im Jahr 2011konnte das OMG einen Preisträger mit einer Arbeit über „Die Entfernungs- und Altersbestimmung von offenen Sternhaufen“ stellen. Es freut uns nun außerordentlich, dass in diesem Jahr die W-Seminararbeit eines Schülers über „Die Spektroskopie des großen Orionnebels“ ebenfalls als eine der 10 besten Seminararbeiten in Bayern prämiert wurde.

Der Schüler stellt in seiner Seminar-Arbeit die klassische Vorgehensweise der Astrophysik bei der Analyse von Nebelspektren zur Bestimmung relevanter Parameter in Emissionsnebeln vor. Dabei wird nicht auf vorhandenes Datenmaterial von Profi-Sternwarten zurückgegriffen, sondern alle notwendigen Aufnahmen und Messungen wurden, wie bereits erwähnt, unter teilweise erheblich erschwerten Bedingungen selbständig und in Eigenverantwortung mit der vorhandenen Schulausrüstung erstellt, die vor allem aus unserem Schmidt-Cassegrain-Teleskop mit einer Öffnung von 20 cm und einer Brennweite von 200 cm besteht sowie einer „astrotauglichen“, also kühlbaren CCD-Kamera mit 1600 x 1200 Pixeln Auflösung bei einer Pixelgröße von 7,4 µm, und dem vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Forschung entwickelten Spaltspektrographen DADOS.

Der Schüler hat in besonders sorgfältiger Art und Weise die unterschiedlichen Anregungsmechanismen der Emissionsspektren von Gasnebeln detailliert erarbeitet. Er begnügt sich nicht damit, das Emissionslinienspektrum von M42 aufzunehmen und die üblichen Standardverfahren zur Spektrenauswertung anzuwenden, also Darkframe-Korrektur, Kalibirierung des Spektrums, Bereinigung von Instrumentenfehlern etc., sondern geht bei seiner Analyse der Anregungsklassen und bei der Bestimmung des Balmerdekrementes weit über den ursprünglich gesteckten Rahmen der Seminararbeit hinaus.

Auf Grund detaillierter und akribischer Auswertung seiner Daten führt ihn seine Analyse im Endergebnis zu einer nahezu perfekten Übereinstimmung seiner gemessenen Werte mit denen der astrophysikalischen Literatur. Zudem hinterfragt er aber auch kritisch seine Ergebnisse hinsichtlich innerer als auch äußerer Fehlerquellen.

Das Engagement und die Bereitschaft sich mit den notwendigen, durchaus anspruchsvollen physikalischen Fragestellungen zu befassen, die dazu notwendigen instrumentellen Geräte wie CCD-Kamera und Spaltspektrograph sinnvoll und zielgerichtet einzusetzen, sich die astronomischen Bild-auswerteprogramme selbständig zu beschaffen und sich mit ihnen aus-einanderzusetzen lässt den Schüler aus seiner Altersgruppe hervortreten.

Wir gratulieren dem Schüler zu dieser exzellenten Arbeit! Die Preisverleihung wird im Rahmen der feierlichen Übergabe der Abiturzeugnisse erfolgen.

Die bis dato erzielten Erfolge lassen dennoch Wünsche offen. Für (noch) effizienteres Arbeiten würden wir uns eine feste Säule für unser Teleskop wünschen (von einer Kuppel wagen wir ja nicht einmal zu träumen), damit die wetterbedingt eingeschränkte Beobachtungszeit für die eigentlichen wissenschaftlich interessanten Fragestelllungen genutzt werden kann, statt wertvolle Zeit für die ansonsten immer wieder notwendige Neu-Justierung des Teleskops zu verlieren.

Abschließend kann man feststellen, dass alle Teilnehmer am W-Seminar „Astrophysik“ Einblicke in wissenschaftliche Arbeitsweisen gewonnen haben. Sie haben Ausdauer, Engagement und ein bisweilen hohes Maß an Frustationstoleranz bewiesen und sie können auf ihre Ergebnisse zu Recht stolz sein!

W. Ober

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