Der Sternenhimmel im Juli 2026 (22:00 MESZ)
06.07.2026 von Dr. Wolfgang Ober, Arne TerkowskiMondphasen, Planetenbeobachtungen und vieles mehr.
Der Sternhimmel am 15. Juli 2026 um 22:00 MESZ steht ganz im Zeichen des astronomischen Sommers. Zwar sind die Nächte rund um die Sommersonnenwende noch vergleichsweise kurz, doch bereits am frühen Abend zeigt sich eine Vielzahl markanter Sternbilder und lohnender Beobachtungsobjekte.
Im Westen verabschieden sich die Frühlingssternbilder langsam vom Abendhimmel. Der Löwe steht bereits tief über dem Westhorizont, während die Jungfrau mit ihrem hellsten Stern Spica ebenfalls ihrem Untergang entgegengeht. Hoch im Westen leuchtet weiterhin Arktur im Sternbild Bärenhüter.
Der Große Wagen dominiert weiterhin den Nordhimmel und eignet sich hervorragend zur Orientierung. Verlängert man den Bogen seiner Deichsel, gelangt man zunächst zu Arktur und anschließend weiter zu Spica – eine klassische Merkhilfe für die Frühlingssternbilder.
Den eigentlichen Sommerhimmel beherrschen inzwischen die Sternbilder Herkules, Leier, Schwan und Adler. Ihre Hauptsterne Wega, Deneb und Altair bilden gemeinsam das markante Sommerdreieck, das bis weit in den Herbst hinein den Abendhimmel prägen wird.
Besonders auffällig ist die Wega, die mit nur etwa 25 Lichtjahren Entfernung auch zu den hellsten Sternen des Himmels zählt. Es handelt sich bei ihr um einen relativ jungen Hauptreihenstern mit einem Alter von weniger als 500 Millionen Jahren. Hauptreihensterne sind solche, die in ihrem Inneren Wasserstoff zu Helium fusionieren. Der Begriff leitet sich ab vom Hertzsprung-Russell-Diagramm ab, wo sich diese Sterne in einem sehr charakteristischen Bereich befinden. In einem der nächsten „Sternhimmel am OMG“ werden wir näher darauf eingehen. Wega besitzt etwa den doppelten Radius der Sonne, strahlt aber aufgrund ihrer größeren Temperatur mit der 37-fachen Leuchtkraft im Vergleich zur Sonne.
Zwischen den Sternen des Herkules befindet sich der Kugelsternhaufen M13, der eines der Objekte ist, die vom aktuellen W-Seminar am OMG untersucht werden. Bereits ein Fernglas zeigt ihn als kleinen, verschwommenen Lichtfleck.
Im Süden zieht sich die Milchstraße als helles Band über den Himmel. Besonders im Bereich der Sternbilder Schlangenträger, Skorpion und Schütze zeigt sie ihre größte Sternfülle. Hier befinden sich zahlreiche offene Sternhaufen, Emissionsnebel und Dunkelwolken. In mondlosen Nächten lassen sich diese Regionen bereits mit einem Fernglas eindrucksvoll erkunden.
Mit den zunehmend länger werdenden Nächten verbessert sich gegen Monatsende die Sicht auf die Sommermilchstraße deutlich. Besonders fernab künstlicher Beleuchtung zeigt sich ein beeindruckender Sternenreichtum, der den Juli zu einem der schönsten Beobachtungsmonate des Jahres macht.
Sommersonnenwende:
Am 21. Juni beginnt auf der Nordhalbkugel der astronomische Sommer. Die Sonne erreicht dabei ihren höchsten Stand über dem Horizont. Für Mitteleuropa bedeutet dies den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres.
In Süddeutschland dauert die astronomische Dunkelheit nur wenige Stunden. Astronomische Beobachtungen sind deshalb auf die Zeit um Mitternacht konzentriert. Erst ab Ende Juli werden die Nächte wieder merklich länger.
Der Sternhimmel am 15. Juli 2026 um 22:00 CEST (Cartes du Ciel) (GNU GENERAL PUBLIC LICENSE Version 2, June 1991)
Mondphasen:
Letztes Viertel am 07.07., Neumond am 14.07.,
Erstes Viertel am 21.07., Vollmond am 29.07.,
Interessante Konstellationen:
- 07.: Mond bei Venus
- 07.: Mond bei Spica
Das Sonnensystem am 15. Juli 2026 :
(Grafik © typeshift.io / Spektrum der Wissenschaft)
-
Merkur kommt am 13. Juli in unterer Konjunktion mit der Sonne und bleibt in diesem Monat unbeobachtbar.
-
Venus bleibt auffälliger Abendstern im Westen. Mit ihrer hohen Helligkeit (-4,3 mag) überstrahlt sie sämtliche Sterne ihrer Umgebung und ist nach Sonne und Mond das 3. Hellste Objekt am irdischen Himmel. Ihre Sichtbarkeitsdauer verkürzt sich allerdings merklich. Ihre Untergänge verschieben sich bis zum Monatsende auf 22h35m MESZ.
-
Mars verbessert seine Sichtbarkeit. Bei guten Sichtverhältnissen kann der rote Planet nahe am Nordost-Horizont gesichtet werden. Das Marsscheibchen ist mit 5“ Durchmesser aber noch zu klein, um Details auf der Marsoberfläche sehen zu können. Am 4. Juli passiert Mars den Planeten Uranus in nur 0°06‘ Entfernung.
-
Jupiter kommt am 29. Juli 2026 in Konjunktion mit der Sonne und bleibt am Taghimmel unbeobachtbar.
-
Saturn kommt am 28. zum Stillstand. Damit beginnt seine diesjährige Oppositionsschleife. Seine Helligkeit steigt auf 0,6mag an. Der Durchmesser des Saturnscheibchens wächst von 17,5“ auf 18,5“ an, der Ringdurchmesser von 39,8“ auf 41,9“.
-
Uranus kann bei einer Helligkeit von 5,8mag ab Mitte des Monats mit dem Teleskop am Morgenhimmel aufgespürt werden.
-
Neptun wird am 8. stationär und beginnt seine Oppositionsschleife. Seine Helligkeit nimmt auf 7,8mag zu und ist nur mit dem Teleskop sichtbar. Details sind mit Amateurteleskopen nicht auszumachen.
Deep-Sky-Objekt des Monats:
M57 Der Ringnebel in der Leier
RA: 18h 53m 35s
Dec: +33° 01′ 45″
Entfernung: 2568 Lichtjahre
Scheinbare Helligkeit: 9,7 mag
Winkeldurchmesser: 1,15 Bogenminuten (~ 0,86 Lichtjahre)
Teleskop: 20 cm Schmidt-Cassegrain F/10
Kamera: EOS 1300D
Beobachter: Dr. W. Ober
Der „planetarische Nebel“ M57 im Sternbild Leier zählt zu den bekanntesten Objekten seiner Klasse. Planetarische Nebel (PN) entstehen aus sonnenähnlichen Sternen, wenn diese zum Ende ihres Lebenszyklus ihre äußeren Hüllen mit 10 – 30 km/s abwerfen. Der bloßgelegte Sternkern ist ein Weißer Zwerg mit Oberflächentemperaturen von mehr als 100.000 K und ionisiert mit seiner energiereichen Strahlung die expandierenden Gasmassen. Bei der Rekombination des Gases emittieren diese Licht, vornehmlich Wasserstofflinien, aber auch „verbotene“ Linien des 2-fach ionisierten Sauerstoffs. Mit zunehmender Expansion wird die Strahlung vom Weißen Zwerg immer mehr verdünnt, so dass nach ca. 20.000 – 50.000 Jahren der PN verblasst. Astronomisch gesehen „leben“ PNs also vergleichsweise nur sehr kurz.
Der Ringnebel im Sternbild „Lyra“, aufgenommen am OMG-Campus-Observatorium: