Imparare con la testa, le mani e il cuore
13.04.2026 von Lorenz Vogt und Volker MüllerJob-Shadowing in Colle di Val d’Elsa
„Imparare con la testa, le mani e il cuore“ (Lernen mit Kopf, Hand und Herz)
Dieser pädagogische Grundsatz von Pestalozzi war programmatisch für die beiden Lehrkräfte Volker Müller und Lorenz Vogt, die in Colle di Val d’Elsa, einer malerischen toskanischen Stadt mit rund 22.000 Einwohnern (Provinz Siena), die italienische Schule Liceo Statale Alessandro Volta besuchten. Im Rahmen des 5-tägigen Aufenthalts in „Colle“ wurde man nämlich nicht nur überaus herzlich von den Lehrkräften, der Schulleitung und auch den Schülerinnen und Schülern im Schulalltag aufgenommen, sondern sogar aktiv in die Unterrichtseinheiten durch Interviews, Austauschrunden sowie inhaltliche Debatten über den jeweiligen Schulstoff eingebunden.
Der Standardunterricht an der Schule selbst, der in fünf 60-Minuten-Stunden mit nur einer Pause und in kleineren Klassen als bei uns stattfindet, erinnerte dabei eher an universitäre Lehre mit viel inhaltlichem Input und war überwiegend frontal organisiert: Nur hin und wieder wurden durch die Lehrkräfte Fragen gestellt oder die Schülerinnen und Schüler stellten Rückfragen zu dem präsentierten Lernstoff. Dieser etwas rigidere Lehrstil überrascht nicht vollkommen, wenn man bedenkt, dass ein italienisches liceo nur die Jahrgangsstufen 9-13 umfasst. Davor besuchen die Schülerinnen und Schüler fünf Jahre lang die Grundschule (scuola primaria) und danach drei Jahre lang die scuola secondaria di primo grado. Am Ende steht die maturità (Hochschulreife) mit einer ähnlichen Prüfungsform wie das Abitur. Bei dem besuchten Schulzweig liceo classico (vergleichbar mit dem humanistischen Gymnasium), in welchem die Fächer Altgriechisch und Latein besonderes Gewicht haben, fiel vor allem auf, dass auf fächerübergreifenden Unterricht viel Wert gelegt wird. So wurden die Fächer Latein und Geschichte, aber auch Geschichte und Philosophie oft in Kombination unterrichtet: So geht man im Fach Geschichte chronologisch (von der Vergangenheit hin zur Gegenwart) vor und behandelt nebenher aber auch stets alle großen Philosophen wesentlich detaillierter und vernetzter, als es in Bayern der Fall ist.
Die Leistungsüberprüfung erfolgte meist in Form eines interrogatorio (mündliche Abfrage), das sich ähnlicher Beliebtheit wie in Bayern erfreut und bei welchem meist bis zu einem halben Dutzend an Kandidaten geprüft wird, während der Rest der Schülerinnen und Schüler Arbeitsaufträge erledigt.
Das Schulgebäude und auch die Mensa waren sehr schlicht eingerichtet, die technische Ausstattung nicht mit der des Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums vergleichbar; allerdings ist jedes Klassenzimmer mit einem Smartboard ausgestattet, das von allen Lehrkräften zur Visualisierung der Unterrichtsinhalte, für Tafelanschriften sowie für Internet-Recherche genutzt wird und auch den Schülern zur Unterstützung von Präsentationen dient. Mitschriften, die von so gut wie allen Schülern unaufgefordert angefertigt werden, müssen gemäß Schulordnung bis zur zwölften Klasse mit Stift und Papier erfolgen, erst ab der dreizehnten Klasse kann auf digitale Alternativen umgestellt werden, wobei weniger als die Hälfte der Schülerschaft davon Gebrauch machte. Was die private Nutzung mobiler Endgeräte angeht, so gab es auf dem liceo eine sehr ähnliche Handhabung wie am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium: Handys waren während des Unterrichts grundsätzlich verboten und mussten in der Schultasche verstaut sein.
Die Atmosphäre an der Schule war insgesamt sehr locker und entspannt, genau so, wie man es in einem lebhaften Land wie Italien erwartet; die Schülerinnen und Schüler waren sehr temperamentvoll, aber nie respektlos gegenüber den Lehrkräften und zeigten ein genuines Interesse am Lehrstoff, das durch sehr intelligente Fragen oder reflektierte Einwände deutlich wurde.
Insgesamt war das Job-Shadowing ein voller Erfolg, bei dem man nicht nur einiges Theoretisch-Methodisches über das italienische Schulsystem, sondern dank Paolo Zanieri, der für den Austausch verantwortlichen Lehrkraft, auch auf praktischer Ebene bei einem Glas Weißwein über die toskanische Kultur und Lebensfreude sowie die kulturellen Schätze der Umgebung in Siena, San Gimignano und Florenz erfuhr – ganz im Sinne Pestalozzis.