Gesellschaftswissenschaften

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Abba Naor am OMG

Am 27. Juni 2022 erzählte Abba Naor, ein Überlebender des Holocausts, 200 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 und 10 von seiner erschütternden Geschichte. Zum siebten Mal kam der 94-Jährige an das Oskar-Maria-Graf Gymnasium in Neufahrn, um über die Ereignisse der Zeit des Nationalsozialismus aufzuklären. Dies war eine einmalige Erfahrung für uns Schülerinnen und Schüler, welche wir so schnell nicht mehr vergessen werden.

Zu Beginn der vierten Schulstunde traf Herr Naor mit etwas Verspätung aufgrund des G7-Gipfels in der Aula des OMGs ein. Die Geschichtslehrerin Frau Schauz begrüßte den Gast mit einleitenden Worten vor dem aktuellen Hintergrund der Dokumenta 15, die gleich zu Beginn für einen Skandal gesorgt hatte und bereits als Antisemitismus-Documenta bekannt ist. Antisemitismus ist auch 2022 ein aktuelles Problem, weshalb es wichtig ist, den wieder zunehmenden antisemitischen Tendenzen in der Gesellschaft entgegenzuwirken und aus der Geschichte zu lernen.

Anschließend wurde das Wort an Abba Naor übergeben, der ebenfalls kurz auf den Antisemitismus in der Gegenwart zu sprechen kam und seine Ängste zum Ausdruck brachte. Jedoch machte er auch deutlich, dass er an uns und die zukünftige Generation glaubt.

Nach dieser Einführung in die Veranstaltung begann er seine Geschichte zu erzählen. Angefangen bei seiner unbeschwerten Kindheit in Litauen, begann sich das Leben mit dem Einmasch der Deutschen in Polen 1939 und der Besetzung Litauens durch die Sowjetunion nach und nach zu ändern. Er erzählte von der Flucht seiner Familie mit drei Kindern, von Angst, Anfeindungen, ersten Übergriffen auf Juden und Hunger. Als der Befehl kam, alles zurückzulassen, kam die gesamte Familie in ein Ghetto, wo sich Familien Wohnungen teilen mussten. Zunächst schien die Umzäunung des Ghettos eine Erleichterung für die dort lebenden Menschen, da sie es als Schutz vor den Gegnern gesehen haben. Zwei Wochen vor der endgültigen Schließung des Zauns schickten viele Familien ihre Kinder los um einzukaufen, aus Angst, Männer und Frauen würden erschossen werden. An diesem Tag ließen 26 Kinder ihr Leben, darunter Abba Naors ältester Bruder.

Da die Verpflegung für die Familien nicht ausreichend war, gingen alle Kinder ab dem 15. Lebensjahr arbeiten, um sich und ihre Familien extra Nahrungsmittel zu verschaffen.

In dieser Zeit verloren viele Menschen in den Ghettos ihr Leben und die Zahl vermehrte sich. Aufgrund der zunehmenden Transporte von Juden in den Osten und dem Anstieg der Zahl in den Ghettos kam es zu Massentötungen von Juden. Hauptverantwortlich hierfür war in Kaunas der SS-Standartenführer Karl Jäger, der Führer des Einsatzkommandos in Litauen war. Auf seine Befehle hin wurden unzählige Juden umgebracht, darunter Frauen und Kinder. Von 60.000 jüdischen Kindern haben nur 350 überlebt. Abba Naor war einer von ihnen. Er fragt sich bis heute: „Was war das für ein Mensch?“, „Wie konnte er das tun?“. Es gibt einen Bericht, in dem handschriftlich festgehalten wurde, wie viele Juden er bereits umgebracht hat. „Ob seine Hand dabei gezittert hat?“ Abba Naor denkt das nicht. Manchmal wurden kleine Kinder auch lebendig in die Leichengruben geworfen. Hunger und Angst waren ständige Begleiter im Ghetto. Für Extranahrung konnten die Juden für die Machthaber Musik machen, wie auch Abba Naor, der für die SS singen musste, wie er es in seinem Buch "Ich sang für die SS" festhielt.

Nach der Schließung des Ghettos kam Abba Naor mit seiner Familie in das Konzentrationslager Stutthof, wo die Familie erstmals getrennt wurde und er Schikanen, Entmenschlichung und Erniedrigung erfahren musste. Seine Mutter und seinen kleiner Bruder sah er durch den Zaun zum letzten Mal, bevor sie nach Auschwitz gebracht und umgebracht wurden. Nach der Trennung von seinem Vater kam er in die Außenlager von Dachau, Utting und Kaufering. Die Bedingungen in den Lagern waren unerträglich und der Hunger unvorstellbar. Herr Naor wollte aber trotz allem nie sterben und hat auch nie an Selbstmord gedacht. Im Mai 1945 wurde er von den Amerikanern befreit und er fand später auch seinen Vater. Inzwischen hat er elf Urenkel und ist glücklich zu leben. Er sagt, dass das Leben schön und kostbar ist. Der schönste Moment für ihn war, als sein erster Sohn geboren wurde.

Während der dreistündigen Veranstaltung war es ungewöhnlich still in der Aula, was zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler gespannt und konzentriert der erschütternden Geschichte von Abba Naor zugehört haben. Dass großes Interesse bestand, zeigten auch viele Fragen, die nach dem Vortrag gestellt werden konnten, und die Herr Naor mit Vergnügen beantwortete. "Hatten Sie auch gute Momente in dieser schweren Zeit gehabt? ", " Wie war es, das erste Mal ihre Geschichte vor einer Schule zu erzählen?", "Wie konnten Sie diese ganze Zeit durchhalten, ohne unterzugehen?". Er hat jede Frage offen und ehrlich beantwortet und wir konnten viel Neues dazulernen. Eine Frage stach jedoch besonders hervor, als ein Schüler wissen wollte, was Abba Naor zu den heutzutage immer noch bestehenden Vorurteilen zwischen Menschen denkt. Daraufhin macht er deutlich, dass es Ihn vor allem traurig macht zu hören, dass es heute immer noch Menschen gibt, die die Verbrechen zur Zeit des Nationalsozialismus leugnen.

Genau aus diesem Grund erzählt Abba Naor immer wieder seine bewegende Geschichte. Er möchte erreichen, dass man die wahren Geschehnisse kennt, sodass dieses wichtige Kapitel in unserer Geschichte nie in Vergessenheit gerät. Herr Naor will aber auch seiner Familie gedenken, vor allem derer, die diese Verbrechen nicht überlebt haben. "Dadurch bleiben sie mir als meine alte Familie in Erinnerung und sind trotzdem immer noch ein Teil von mir."

Abba Naors Geschichte hat viele von uns zum Nachdenken angeregt. Nach diesem Vortrag wird einem bewusst, dass man wertschätzen und schützen sollte, was wir haben. Wir sind dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben, und hoffen, dass dies auch noch künftigen Jahrgangsstufen vergönnt sein wird.

Anja Brenninger, Theresa Gelic, Ronja Pradel, Lara Schilling (Klasse 9D)

#Plus jamais! #Never again! #Nie wieder! - Besuch der KZ-Gedenkstätte in Dachau


Plus jamais! - Never again! - Nie wieder!

Nach den Jahren der Corona-Pandemie ohne außerschulische Veranstaltungen war die Vorfreude auf eine Exkursion bei Schülerinnen und Schülern der Q11 groß, jedoch trübte der Anlass dieser Veranstaltung die Stimmung. Denn: Uns Schülerinnen und Schülern fällt es schwer, uns die grausamen Ausmaße der NS- Zeit vorzustellen. Leider musste für uns pandemiebedingt der Besuch in das NS-Dokumentationszentrum in München für uns in der 9. Klasse ausfallen. Nun führte uns in der Q11 der Studientag Geschichte am Dienstag, 05.04.2022, in die KZ-Gedenkstätte in Dachau. Es bot sich uns die Gelgenheit, die geschichtlichen Ereignisse dieser schrecklichen Zeit greifbarer werden zu lassen.

Hier schildern wir unseren Studientag:

Nach unserer Ankunft wurden wir von den Mitarbeitern der Gedenkstätte begrüßt und in Workshop-Gruppen aufgeteilt. Um auf das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers zu gelangen, mussten wir durch ein Tor mit der zynischen und menschenverachtenden Inschrift „Arbeit macht frei“ gehen. Zunächst führte uns der Leiter unserer Gruppe, der uns stets offen alle Fragen beantwortete und bemüht war uns die damaligen Umstände näher zu bringen, über den durch seine Geschichte und Größe beeindruckenden Appellplatz. Dieser diente für das Antreten der Häftlinge vor und nach ihrer Arbeit, das bei jeder Witterung stattfand und teils mehrere Stunden andauerte. Daraufhin erläuterte uns unser Gruppenleiter die grundlegenden Informationen über das Konzentrationslager in Dachau, das von 1933-1945 in Betrieb war und in diesen zwölf Jahren mehr als 41.000 Menschen das Leben kostete.

Die nächste Station unserer Führung waren die zwei Nachbildungen der ehemals 34 Baracken, in denen die Häftlinge auf engstem Raum leben mussten. Ebenfalls konnten wir in diesen nachgebildeten Wohnstätten die Veränderung der Lebensverhältnisse der Häftlinge über die Jahre erkennen, die sich durch die steigende Anzahl an Inhaftierten zunehmend verschlechterte. Wir besuchten außerdem vier Gedenkstätten, die verschiedenen Glaubensrichtungen der Opfer und deren Angehöriger gewidmet wurden, denn zu den Opfern des Konzentrationslagers gehörten neben Juden auch Sinti und Roma, politische Gegner, Homosexuelle, Geistliche sowie russische Zwangsarbeiter. Der schreckliche Höhepunkt unserer Führung waren die Krematorien und die Gaskammer. Das Gefühl durch die beengende Gaskammer und die daran angrenzenden Verbrennungsanlagen zu schreiten, wissentlich der unzähligen Menschen, die an diesem Ort zu Asche verbrannt wurden und den Tod fanden, ist schwer zu beschreiben und die düstere Stimmung erdrückend. In dem Lagergefängnis der Anlage bekamen einige der unzähligen Opfer durch kurze Biografien und Bilder Gesichter und deren Leiden in den dunklen und engen Kammern erscheint unvorstellbar.

In dem Museum des Konzentrationslagers konnten wir einige übrige Habseligkeiten der Zwangsarbeiter, die ihnen sofort nach ihrer Ankunft in dem Lager in dem Schubraum zusammen mit ihrer Kleidung abgenommen wurden, betrachten. Schlimmer jedoch als der Verlust ihrer persönlichen Gegenstände war der Verlust ihrer Freiheit und ihrer persönlichen Rechte sowie ihrer Identität, da sie nach ihrer Ankunft nur noch eine ihnen durch die SS zugeteilte Nummer waren. Zu sehen waren zudem ebenfalls sogenannte Prügelböcke, die zur Bestrafung der Häftlinge dienten, wobei diese auf grausame Weise durch Männer der SS geschlagen wurden. Doch nicht nur das, besonders entsetzlich war, dass auch andere Häftlinge diese Prügel vergeben mussten, um nicht selbst eine Bestrafung zu bekommen. Ein an Unmenschlichkeit und Grausamkeit kaum zu überbietender Ort des Lagers war das sogenannte Krankenrevier, in dem medizinische Versuche an den Menschen durchgeführt wurden.

Nach einer Mittagspause hatten wir nun die Möglichkeit in dem Workshop uns in kleineren Gruppen mit Bildern und Quellen zu unterschiedlichen Themenbereichen der Geschichte und den Plätzen des Konzentrationslagers zu beschäftigen und anschließend unsere Mitschüler darüber zu informieren. Zuletzt besichtigten wir zum Abschluss unserer Führung das internationale Mahnmal. Dieser Tag voller grausamer Eindrücke von Leid, Schmerz, Höllenqualen und Tod, die keinen unberührt ließen und jeden zum Nachdenken anregten, konnte uns die schon im Unterricht angesprochenen Aspekte des Nationalsozialismus näherbringen.

Die traurigen Schicksale der Häftlinge und das unvorstellbare Elend werden uns noch lange im Gedächtnis bleiben und so hoffentlich helfen zu verhindern, dass etwas so Schreckliches jemals wieder geschieht.

Leonie Saller und Anna Wittmann, Q11

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