Gesellschaftswissenschaften

In dieser Kategorie finden Sie Beiträge aus den Fächern Geschichte, Sozialkunde, Wirtschaft/Recht und Religion.

Studientag Geschichte Q11 - Auf dem Pfad der Verlorenen

Krähen verheißen bekanntlich nichts Gutes. Daher ist es wohl auch nicht sonderlich verwunderlich, dass sich dieser pechschwarze Vogel nach einem ausgiebigen Rundflug schließlich auf dem schmiedeeisernen Tor niederlässt. Er senkt den Kopf, als versuche er, die Inschrift zu entziffern. Was sich das Tier wohl bei der charakteristischen Parole „ARBEIT MACHT FREI“ denkt?
„Was verbindet ihr mit dem Begriff ,Konzentrationslager‘?“, lautet die erste Frage, die uns am Vormittag von unseren Gruppenleitern des Max-Mannheimer-Studienzentrums in den vorbereitenden Workshops gestellt wird. Denn bevor wir wirklich durch das Tor treten konnten, sollten wir noch einmal die Gelegenheit bekommen, uns mit dem Schrecken des Nationalsozialismus in einem anderen Rahmen auseinanderzusetzen. Im warmen, lichtdurchfluteten Seminarraum des Max-Mannheimer-Hauses bekommen wir einen tieferen Einblick in das Schicksal der KZ-Insassen durch Fotos, Zeichnungen und Kurz-Biografien wie zum Beispiel von Ärztin Ella Lingens oder Sinto-Boxer Jacob Bamberger. Bei der Gestaltung von Plakaten oder Nachstellung von Interviews reifen die gesichtslosen Massen immer mehr zu individuellen Leidensgeschichten heran. Was uns besonders betroffen hat? Dass das Grauen auch direkt vor unserer Haustür stattgefunden hat, genauer gesagt im KZ Außenlager Neufahrn/Eching.
Aber jetzt erstmal genug vom Drama: Auf zum Mittagessen!
Nach einer ausgiebigen Stärkung und einem kurzen Fußmarsch unter blühenden Linden erreichen wir schlussendlich das besagte Tor. Wir treten hindurch und werden von der Weite dieses Platzes überwältigt. Doch eines passt nicht ins Bild: Die gleißenden Sonnenstrahlen werden von dem hellen Kiesboden zurückgeworfen, als wüsste das Wetter nicht, was sich an diesem geschichtsträchtigen Ort einst zugetragen hat. Wir folgen dem Weg, den Tausende von Menschen vor uns schon beschritten haben, allerdings ohne die schreckliche Ungewissheit, was mit uns passieren wird. Im Schubraum bekommen wir ein deutliches Bild von den entwürdigenden Zuständen, die hier geherrscht haben, als sich die Häftlinge vor allen anderen nackt ausziehen mussten und wie am Fließband abgefertigt wurden. In der darauffolgenden Waschanlage, die zugleich als Folterkammer fungierte, nahm das Grauen seinen Lauf: Mit Hunderten anderen Gefangen einmal pro Woche für eine halbe Minute duschen. Das ist vor allem für die Mädchen unter uns schier unvorstellbar. Die vollkommende Willkür des Wachpersonals zeigte sich aber vor allem in den Bestrafungen:
Stell dir vor, du arbeitest den ganzen Tag im Steinbruch und am Ende des Tages bist du den Launen eines SS-Wachmanns ausgeliefert, dem deine Schuhe zu dreckig sind und du bekommst als Strafe 25 Stockhiebe. Am nächsten Tag hast du als Einziger saubere Schuhe, doch du wirst von einem anderen Wachmann genau dafür bestraft, da du nach der zermürbenden Arbeit unmöglich so saubere Schuhe haben kannst. Dafür bekommst du erneut 25 Stockhiebe. Oder noch einige mehr, wenn der Wachmann einen schlechten Tag hat.
Weiter geht es zum Bunker, den wir auf eigene Faust erkunden sollen. Von den „harmloseren“ Isolationszellen über die Dunkelzellen bis hin zu den engen, quadratischen Stehzellen gab es eine große Bandbreite an Möglichkeiten, wie die Häftlinge an ihre psychischen Grenzen gebracht wurden. Zusätzlich wurden die Heizungen an den Außenwänden gezielt für die Folterung eingesetzt, sodass es im Sommer einer Sauna und im Winter einer Gefriertruhe glich.
Auf dem Weg zu den Baracken kommen wir an den Denkmälern vorbei. Die ausgemergelten, verschlungenen Körper stechen uns sofort ins Auge, doch allzu viel Zeit zur Betrachtung bleibt uns nicht, denn nun betreten wir die zur Erholung gedachten Schlafräume, in denen der Aufenthalt jedoch von Jahr zu Jahr zur größeren Qual wurde. Wir gehen von Raum zu Raum. Mit jedem neuen Zimmer gelangen wir in einen anderen Zeitabschnitt und dabei wird der Platz immer beengter, die Privatsphäre immer weniger.
Die letzte Station unseres Tagesausfluges ist das Krematorium neben der sogenannten „Baracke X“, in der sich auch die Gaskammer befindet, die den Todgeweihten als „Brausebad“ angekündigt wurde. In dem kalten und dunklen Raum scheinen die Wände immer näher zu kommen. Draußen jedoch scheint die Sonne weiter und bestrahlt die mit Blumen besetzte Gedenkstatue, die als Erinnerungsort und Hoffnungsträger gedacht ist. Ein ausgemergelter Häftling in einem Arbeitsanzug steht mit hocherhobenem Haupt und den Händen in der Tasche auf einem Sockel. Er blickt auf uns herab wie der endgültige Sieger dieses Kampfes, in dem es doch nur Verlierer gab.

„Den Toten zur Ehr, den Lebenden zur Mahnung“

Die Krähe verlässt mit uns die KZ Gedenkstätte und fliegt mit weit ausgebreiteten Flügeln davon, um die Geschichte dieses Ortes in die Welt hinauszutragen. Im internen Bereich anmelden, um weiterzulesen.

Unsere OMG-Zeitzeugen im Interview

25 Jahre gibt es das OMG schon.

Was ist in dieser Zeit alles passiert? Wie hat sich die Schule entwickelt?

Die Schülerinnen und Schüler der 10d haben im Zusammenhang des fächerübergreifenden Projekts in den Fächern Geschichte und Sozialkunde diejenigen gefragt, die es wissen müssen: Unsere schulinternen "Zeitzeugen".

Einige Lehrer und unsere Sekretärin konnten nämlich schon von Beginn an die Entwicklung unserer Schule mitverfolgen.

Was sie so zu erzählen haben, könnt ihr im internen Bereich herausfinden. Hier findet ihr die Videos, die die Zehntklässler gedreht haben. Schaut rein! - Es lohnt sich!

Vielen lieben Dank an die Zeitzeugen, dass sie sich für die Interviews zur Verfügung gestellt haben.

Im internen Bereich anmelden, um weiterzulesen.

KZ-Gedenkstätte Dachau - Ein Tag in der Vergangenheit am außerschulischen Lernort

gedenkstätte

An einem sonnigen Dienstagmorgen machten wir, die Schüler der Q11, uns gegen 8.05 Uhr auf den Weg nach Dachau, um dort die KZ-Gedenkstätte zu besuchen. Nach einer einstündigen Fahrt mit dem Doppeldeckerbus kamen wir am Internationalen Jugendgästehaus Dachau, welches ca. 15 Gehminuten von der Gedenkstätte entfernt liegt, an.

Dort wurden wir in fünf gleichgroße Gruppen eingeteilt und „Teamerinnen" des Max-Mannheimer-Studienzentrums zugeteilt. Sie führten uns in die Geschichte des Konzentrationslagers und der damit verbundendenen Zeit des nationalsozialistischen Regimes ein. Besprochen wurden unter anderem Dokumente der SS bezüglich ihrer Organisation und Propaganda sowie die Anzahl und Lage verschiedener Arbeits- bzw. Konzentrationslager.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Jugendherberge ging es zu Fuß zur Gedenkstätte. Durch das kürzlich noch als gestohlen gegoltene Tor mit dem bekannten Spruch "Arbeit macht frei" gelangten wir auf den Appellplatz. Nach kurzer Bekanntmachung mit der Lage verschiedener Gebäude und allgemeinen Fakten, besichtigten wir zuerst das ehemalige Wirtschaftsgebäude. Hier wurden neu ankommende Häftlinge in einem Vorraum registriert und ihre mitgebrachten Habseligkeiten dokumentiert. Anschließend folgte das Häftlingsbad, in welchem man sich entkleiden musste und dann rasiert sowie desinfiziert die neue Häftlingskleidung anziehen musste.

Daraufhin bekamen wir einen Einblick in das Lagergefängnis, auch Bunker genannt. Einige rauschten nur schnell durch, denn darin war es eiskalt und auch der lange enge Gang war nicht jedem geheuer. Es war im Allgemeinen schwer vorstellbar für uns, wie man Menschen in 70x70cm kleinen Zellen ohne Toilette und teilweise ohne Licht für mehrere Monate wegsperren konnte.

Danach schauten wir uns die rekonstruierten Baracken, die Schlafsäle der Häftlinge, an. Erschreckend war der Fakt, dass in den für 6000 Menschen ausgerichteten Sälen am 29. April 1945, dem Tag der Befreiung des Lagers durch die Amerikaner, über 30.000 völlig entkräftete Menschen dort gefangen waren. Der letzte Punkt der Führung war das Krematorium. Hier wurden Leichen gelagert und anschließend verbrannt. Auch gab es vor Ort eine Gaskammer wie man sie beispielsweise aus Auschwitz kennt, jedoch kamen in Dachau durch diese als Brausebäder oder Desinfektionsräume getarnte Gaskammer "nur" 4 Menschen zu Tode.

Nach einer abschließenden Reflexionsrunde im Jugendhaus, ging es mit dem Bus zurück nach Neufahrn. Obwohl der Tag sehr anstrengend und lang war, fanden wir ihn dennoch interessant und aufschlussreich. Die Einblicke, die uns geboten wurden, erweiterten unser bisher erlerntes Schulwissen zu den Arbeits- und Konzentrationslagern. Wir empfinden es als wichtig, die Gedenkstätte als internationales Mahnmal kennenzulernen und als Teil der deutschen Geschichte nicht zu ignorieren.

von Schülerinnen aus der Q11

Im internen Bereich könnt ihr Fotos vom Studientag Geschichte sehen.

Im internen Bereich anmelden, um weiterzulesen.

Login Form